Was gibt es überlicherweise für Veränderungen in der Lebensmitte einer Frau mit Ehemann und drei heranwachsenden Kindern, Haus, Haustieren und Beruf? Na?
Die Frau: Etwas zuviel Gewicht im wortwörtlichen Sinn, viele graue Haare, wenig Zeit für sich, so dass eigene Wünsche kaum gespürt werden können, weil keine Zeit ist darüber nachzudenken.
Der Ehemann: Beruflich erfolgreich, wenig Zeit für die Familie, wenige Hobbies. Hat er Zeit und Raum um sich seiner Wünsche bewusst zu werden?
Die Kinder: Wachsen, die Schule stresst, die Ausbildung stresst, können alles selber, brauchen die Eltern doch. Sofort. Auf der Stelle. Dringend…..
Haus. Zwar erst vor 25 Jahren gekauft, aber so alt wie die Frau. Bedarf an einigen Ecken einer Modernisierung, der Garten wächst dichter und dichter. Ist das noch so wie ich es mir damals vorgestellt habe? Habe ich mir damals etwas vorgestellt?
Haustiere. Wenn die Katze ruft, springt der Ehemann. Viele kuschelige Tiere. Oasen im Alltag. Aber wie in der Wüste: Der Weg zur Oase ist weit.
Der Beruf: Im Prinzip eine Freude, das, was ich mir immer erträumt habe. Ortsnah, mit freier Hand zu gestalten, mit der Chance sich die Kollegen im wesentlichen selbst auszusuchen.
Und was ist heutzutage die naheliegende Veränderung?
SELBSTVERWIRKLICHUNG!
Und ich habe es tatsächlich umgesetzt!
Nein, ich habe weder das Haus umgebaut, noch die Kinder daraus vertrieben. Der Garten ist noch immer so wild und natürlich wie immer. Und die Tiere sind noch immer da. Eigentlich sogar mehr als vorher.
Und – Verheiratet bin ich immer noch. Die leider für Viele naheliegende Veränderung wenn man sich unglücklich fühlt, nämlich sich eine neue Bestätigung von außen zu holen, wäre weder meinem Mann, noch unseren Kindern gerecht geworden. Dies wäre die einfachere Entscheidung gewesen, dann wäre ich nämlich nicht für all das, was jetzt ist selbst verantwortlich.
Was ist denn jetzt?
Ich habe meine vermeintliche Traumstelle aufgegeben, da es Rahmenbedingungen gab, mit denen ich nicht zurechtgekommen bin. Die Vorstellung, dort noch 17 1/2 Jahre bis zur Rente zu arbeiten hat nicht gepasst. Trotzdem war die Entscheidung ganz, ganz schwer. Die erste Führungsposition – und schon gescheitert! Und von „oben“ das Signal, dass gar nicht nachvollziehbar sei, warum ich nicht zurecht komme. Also muss es ja wohl an mir liegen. Oder?
Damit habe ich lange gekämpft. Gegen mein Gefühl. Und für meine Tätigkeit.
Aber letztendlich: Es ist wohl egal, ob es an mir liegt oder nicht. Es war auf die Dauer für mich so nicht akzeptabel, egal ob ich nun selbst die Ursache bin oder nicht.
Und so habe ich mit 50 meine Anstellung gekündigt und mich in meinem Job selbstständig gemacht. Um mehr Freiheiten zu haben. Eigenständig zu entscheiden, ohne ständig von außen beäugt, in Frage gestellt und kritisiert zu werden. Und um endlich richtig gut zu verdienen.
Jetzt habe ich keine 30 Std in der Woche mehr. Keiner kritisiert mehr. Keiner schreibt sich meine Erfolge mehr auf seine Fahne!
Dafür arbeite ich in der Regel um die 50 Std pro Woche. Habe einen Riesen Berg Schulden. Und verdiene momentan netto deutlich weniger als zu Studentenzeiten (Die sind 25 Jahre her!). Niemand kritisiert meine Entscheidungen, meine Konzepte, aber niemand diskutiert sie mit mir.
War es das, was ich haben wollte?
JA
Genau so wollt ich es. Selbstbestimmt, selbstverantwortlich. Obwohl der Streß jetzt mehr ist und ich noch immer viel zu selten nein sage, ist es jetzt „meins“.
Und das fühlt sich richtig gut an.
Sich bewusst sein. Seiner Wünsche, seiner Träume, seiner Kraft.
Und jetzt gibt es auch wieder den Blog. Wer Lust hat, kann mich gerne begleiten.
Liebe Grüße
Birgit