Olympia! Olympia?

Es ist wieder so weit – die Olympischen Spiele

Kurz zur Geschichte

(Nicht historisch gesehen, sondern was mir aus meiner humanistischen Schulzeit in Erinnerung geblieben ist):

Die besten Athleten trafen sich regelmäßig zur Olympiade. Die Olympiade war ein Zeitraum von 4 Jahren, an dessen Ende fanden die Spiele statt. Zu den „Spielen“, als den Wettbewerben trafen sich die besten Sportler, um sich im fairen Wettkampf zu messen. Die Zeit der Spiele war eine Zeit des Friedens, in der kriegerische Auseinandersetzungen ruhten und sich Teilnehmer verschiedener Nationen miteinander verglichen. Der Sieger erhielt einen Kranz (Olive? Einen „Ölkranz“, was auch immer das sein mochte…)

Es gab nur eine Handvoll olympischer Sportarten (Laufen, Pferdesport mit Reiten und Wagenrennen, Leichtathletik im Sinne von antikem Fünfkampf, Schwerathletik mit Ringen, Faustkampf und Allkampf). Es starteten nur freie Männer. Sportkleidung gab es überhaupt nicht…….aber bestimmt was für´s Auge…..

Frauen hatten ihre eigenen Spiele, diese fanden zeitlich versetzt ebenfalls alle vier Jahre statt.

Ob alles wirklich so friedlich, ehrlich und höheren Ziel der Völkerverständigung gewidmet war, sei dahingestellt.

Aber eines waren die Spiele damals sicher nicht: Dem Kommerz untergeordnet.

Und heute?

Teilnehmer heute

Im Gegensatz zu Welt- und Kontinentalmeisterschaften starten sogenannte Amateure. Diese haben zwar irgendwelche Brotberufe, machen aber trotzdem nur in seltensten Fällen tatsächlich einen normalen Job, der sie in der Woche 40 Std beschäftigt. Wovon leben diese hochengagierten Amateure nur? Profis leben von ihrem Sport. Da ist die Sache klar. Aber auch die Amateure leben nicht von ihren Brotberufen, also was soll diese Unterscheidung? Männer und Frauen dürfen teilnehmen. Oft kann man sie sogar unterscheiden. Die Sportbekleidung bedeckt die entscheidenden Körperteile.

 

Sportarten heute

34 Wettbewebsarten mit 306 Medaillenentscheidungen werden innerhalb der 16 offiziellen Olympischen Tage durchgezogen. Zwar waren auch im alten Griechenland die einzelenen Disziplinen in Einzelwettbewerben unterteilt, aber es kamen nicht zu jeder Olympiade irgendwelche Trendsportarten dazu, von denen man vorher als Nichtbetroffener gar nicht wusste, dass sie überhaupt einen offiziellen Verband haben.

 

Und warum das Ganze?

In Griechenland hatten die Spiele eine Hintergrund aus Religion, Politik und Spaß am Wettbewerb. Auch zur Völkerverständigung waren sie wichtig, es waren Feste, zu denen man sich traf, bei denen mit Sicherheit auch Gewinne erwirtschaftet wurden.

Heute stellt sich für mich wieder einmal die Frage: Wem nützt es?

Den Bewohnern von Rio, die von ihrem Land vertreiben wurden? Wohl kaum. Den Investoren, die gebaut haben? Schon eher.

Brasilien, das viel Geld in das Großprojekt Olympia mit überdimensionierten Sportstätten gesteckt hat, das jetzt an anderer Stelle für die Infrastruktur fehlt? Wohl kaum. Den Investoren, die gebaut haben und dafür bezahlt wurden? Schon eher.

Den Sportlern, die sich im fairen Wettbewerb messen?  Wohl kaum. Welcher faire Wettbewerb soll das sein, und ich meine noch nicht einmal das Doping!  Westliche Sportler, hochgezüchtet mit Trainingsplänen, außerhalb einer normalen Arbeitsstruktur, unterstützt von Physios, Köchen, Masseuren, Ärzten, Mind-Trainern und wem auch immer treten gegen Sportler aus Nicht-Industrieländern an, die froh sind dass ihnen der hoffentlich vorhande Sportverband den Flug zahlt. Manche sind gleicher als andere…..Aber einer Sportindustrie, die an den Athleten ihre Produkte präsentiert? Sportverbänden, die Gelder für den Verband bei Erfolg der Athleten einforden? Schon eher…

Also wem nützt es? Ist Frieden während der Olympischen Spiele? No comment…..

Aber irgendwer muss doch etwas davon haben! Sollten es etwa die Fernsehkanäle sein, die die Wettbewerbe übertragen? Oder das olympische Kommitee, das sich Steuerfreiheit einfordert, das alle Kosten auf das austragende Land abwälzt, Übertragungsrechte verkauft (Es verkauft also das Recht, die Bilder der Sportler, die von ihren Ländern mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, an ebendiese Länder, so dass sich die Länder das Recht ihre eigenen Athleten im eigenen Fernsehen zu zeigen bezahlen müssen). Das ist so verwickelt und daneben dass ich ewig gebaucht hab um das überhaupt zu formulieren.

Letztendlich hat also nur ein kleines, rein gewinnorientiertes Konsortium tatsächlich einen Gewinn von den Spielen. Die Sportler haben vielleicht durch Spaß im Olympischen Dorf, es sei ihnen vergönnt. Aber wenn man gegenrechnet, wer wie lange und nachhaltig darunter leidet, wer dafür zahlt, wer dafür arbeitet, welche politischen Verwicklung sich ergeben (Stichwort Doping-Ausschlüsse), wie die Sportler von eigenen Ländern für politische Zwecke mißbraucht werden, verbietet sich eine weitere Fortführung der Spiele  von selbst.

Bereits früher gab es Staatsdoping, für den „Ostblock“ war der Medaillengewinn ein mit allen Mitteln zu erfüllendes Soll, auf Kosten der Gesundheit und der Menschenwürde der eigenen Athleten. Apropos Gesundheit – zum Glück hat Brasilien ja rechtzeitig Zika in den Griff bekommen, wird zumindest vermeldet, man kann also ganz risikolos kommen und sein Geld ausgeben….Ein Schelm, wer daran zweifelt.

 

Fazit: Es gibt keine Grund mehr für diese Art von Kommerz. Der Kapitalismus hat die Herrschaft über die Spiele komplett übernommen. Abschaffen und die dadurch freiwerdenden Gelder für die Bevölkerung verwenden, für Infrastruktur, Kinder- und Jugendförderung, Freibäder, Spielplätze……

Ich finde es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, bevor man in den Olympia-Jubel mit einstimmt.

 

Bis zum nächsten Mal!

Birgit