in Berlin ist eine Schülerin wegen ihres (jüdischen) Glaubens gemobbt worden. Ich frage mich dabei, wo her Kinder eigentlich immer so ganz genau über den Glauben des anderen Bescheid wissen. Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit zurück erinnere, wurden (und werden noch heute) die Unterschiede in den Religionen dadurch auffällig, dass man getrennt zum Religionsunterricht musste, in unserer Landschule damals getrennt nach evangelisch und katholisch. Auch an der weiterführenden Schule gab es diese Trennung, wobei hier zumindest in den höheren Klassen Ethikunterricht angeboten wurde. Da war es dann aber schon „zu spät“, nur wenige haben damals den Ethikunterricht gewählt, da er den Ruf hatte, deutlich schwerer als der klassische Religionsunterricht zu sein.
Ein kleiner Rückblick in die Geschichte.
1919 wurde von der Weimarer Nationalversammlung eine Neuregelung im Verhältnis von Staat und Kirche geschaffen. Die Staatskirche wurde abgeschafft, die weltanschauliche Neutralität des Staates, die Religionsfreiheit und die Selbstbestimmung wurden in einem umfassenden Regelwerk festgelegt. Formuliert wurde das dabei als „partnerschaftliches Verhältnis“ zwischen Staat und Kirche.
dieses partnerschaftliche Verhältnis zeigt sich unter anderem darin, die christlichen Feiertage laut Verfassung geschützt sind, zusätzlich gibt es regionale Feiertage beider großen Kirchen. Der Staat zieht über die Finanzämter für die Kirche die Kirchensteuer ein, er bekommt dafür von den Kirchen eine Entschädigung an die Finanzämter bezahlt. Allein diese Tatsache wird wohl irgendwann einen eigenen Blogbeitrag wert sein.
Mit Ausnahme von Berlin und Bremen (Berlin macht mir jetzt natürlich gerade die Argumentation schwerer …) ist in allen Bundesländern der Religionsunterricht verpflichtend. Der offizielle Ausdruck dafür ist „Bekenntnisunterricht“.
was wäre wenn …
… In den Schulen kein bekenntnisorientierter Religionsunterricht mehr stattfände, sondern von Anfang an ein gemeinsamer Ethikunterricht für alle Religionsgemeinschaften. Durch meine persönliche rosa Brille betrachtet würde dies eine Trennung bereits im Grundschulalter nach verschiedenen Religionsgemeinschaften gar nicht erst offensichtlich werden lassen, alle Kinder hätten denselben Unterricht, und, nicht unwesentlich, keiner wäre im Grundschulalter auf den anderen sauer, weil die evangelischen oder die katholischen Schüler eine Freistunde mehr haben als die anderen oder weil die muslimischen Schüler in dieser Zeit keinen Religionsunterricht haben oder oder oder. Durch den gemeinsamen Ethik/Religionsunterricht würde das Verständnis der verschiedenen religiösen Gruppen untereinander deutlich gefördert, ohne dass hierfür große Umstrukturierungen erforderlich wären.
Sich bewusst sein, was eine Trennung in den Köpfen der Kinder bewirkt, sich im Gegenzug jedoch auch bewusst sein, was ein gemeinsamer Unterricht bewirken kann, und sich bewusst sein, was dies für das weitere Zusammenleben ausmacht finde ich gerade jetzt, wo wieder einmal große religiöse Feiertage stattfinden, wichtig.
In diesem Sinne schöne Feiertage für alle,
Birgit